Handel, Verbraucher

Dreister Trend „Wardrobing“ – kaufen, nutzen, zurückbringen

24.02.2014
Autor: sueddeutsche.de

Hiltha Prabhakar spricht den meisten Händlern aus der Seele: „Viele Menschen glauben, dass es sich bei der Rückgabe eines getragenen Kleidungstücks um einen normalen und legalen Vorgang handelt. Dabei ist es ein Verbrechen, es ist Betrug.“ Prabhakar ist Autorin des Buchs „Black Market Billions“ und befasst sich seit Längerem mit dem Phänomen „Wardrobing“.

Kunden kaufen ein Kleidungsstück, ziehen es beispielsweise auf einer Party an und bringen es kurz danach wieder zurück zum Händler – mit der Gewissheit, das Geld zurückzubekommen. Und der US-Handel spielt scheinbar gerne mit. Zu groß ist die Angst, den Kunden zu verlieren oder schlechte Beurteilungen im Internet zu kassieren. Geschweige denn einen Shitstorm.

Unfaire Sportzuschauer
Aber nicht nur die Bekleidungsbranche fürchtet die neue Macht der US-Käufer: Wenn zum Beispiel ein wichtiges Sportereignis ansteht, werden gerne große TV-Geräte angeschafft, nach dem Match wieder zurückgebracht und der Kaufpreis eingefordert.

Anderes Beispiel: Kündigt der Wetterdienst Unwetter an, steigen die Absätze von Generatoren oder Gaskochern. Die allerdings einige Tage später wieder im Regal stehen. Handelsunternehmen wie Nordstrom überbieten sich fast an Großzügigkeit: Sogar nach Jahren nehmen sie offensichtlich gebrauchte Ware zurück und erstatten den Kaufpreis.

Macy’s unendliches Rückgaberecht
„Es geht darum, eine langfristige Beziehung zu den Kunden aufzubauen“, erklärt Nordstrom-Sprecher John Bailey. Bei Macy’s sieht man’s anscheinend ähnlich. Das Kaufhaus hat seine Rückgabefrist von 180 Tagen auf „unendlich“ verlängert. Sogar wenn der Kunde keinen Beleg hat, bekommt er sein Geld zurück.

Bloomingdale’s, die amerikanische Kaufhauskette, wagte es, ein schwarzes Plastikschild an ihren Abendkleidern zu befestigen. Will die Kundin das Kleid tragen, muss sie vorher das Schild lösen. Die Rückgabe ist danach ausgeschlossen.

Kunden der Kaufhauskette machten im Internet ihrem Ärger über diese Geschäftspraktik Luft. Dass aber das Wardrobing höchst illegal ist, scheint sie nicht zu stören.

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