Handel

Der Try-before-you-buy-Tsunami

29.06.2018
Lesedauer ca. 3 Min.
Autor: POINT MÜNCHEN

Da Online-Unternehmen einen immer größeren Einfluss auf den Verbrauchermarkt ausüben, hat sich ein Trend herauskristallisiert, der sich für viele Händler als großes Problem entwickeln könnte. Mittlerweile ist es bei den großen Anbietern üblich, mehrere Artikel bestellen zu können, bevor man sich entscheidet, was man wirklich haben möchte. Es gibt keine Vorabkosten und die Verbraucher zahlen nur für das, was sie behalten und geben den Rest zurück.

Für den Verbraucher ist der Vorteil nicht von der Hand zu weisen: denn das Online-Shopping-Erlebnis kommt dem Einkauf in einem Ladengeschäft deutlich näher. Wir alle wissen, wie sehr es nerven kann, etwas online zu bestellen, nur um festzustellen, dass es nicht das ist, was wir uns vorgestellt haben.

Käufer bestellen mehr

Und der Trend scheint sich auszuweiten. Eine umfangreiche Studie befragte 4.000 Verbraucher in den USA und Großbritannien, was sie über diese Art von Systemen denken. 76 % gaben an, dass sie „definitiv“ oder „vielleicht“ mehr Artikel kaufen würden, wenn ihnen ein Try-before-you-buy angeboten würde. Im Durchschnitt bestellten die Konsumenten jeden Monat dreimal so viele Artikel und gäben die Mehrheit zurück, ohne einen Cent zu bezahlen.

87 % gaben an, dass sie bis zu sieben Käufe zurückgeben würden und 85 % erwarten, dass Einzelhändler kostenlose Rücksendungen anbieten.

Versteckte Gefahren

Die Popularität dieser Angebote beginnt sich neben dem Textil- und Schuhsegment auf die gesamte Branche auszubreiten. Der Studie zufolge haben 40 % der Einzelhändler im letzten Jahr einen deutlichen Anstieg ihrer „vorläufigen“ Umsätze verzeichnet, denn die Kunden setzen ihre Bestellung mittlerweile routinemäßig in größerem Umfang ab, weil sie die Gewissheit haben, dass unerwünschte Produkte kostenlos zurückgegeben werden können.

51 % gaben an, dass ihre Margen durch die Handhabung und Verpackung so vieler Retouren erheblich beeinträchtigt würden. 72 % denken, dass sich dieser Preisdruck mit der Zunahme des Try-before-you-buy-Trends noch weiter verschärfen wird.

Dieser Trend könnte für B2C-Unternehmen katastrophale Folgen haben, wenn sie nicht zeitnah die richtigen Lösungen für die Retourenverwaltung implementieren. Denn darf man den zahlreichen Prognosen vertrauen, wird sich diese Entwicklung im Laufe des nächsten Jahres dramatisch beschleunigen.

Sind Online-Händler vorbereitet?

Mehr Umsatz bedeutet in diesem Zusammenhang für den Einzelhändler, sich professionell auf eine potenzielle Retouren-Flut vorzubereiten. Da die Käufer angaben, dass sie pro Monat durchschnittlich drei zusätzliche Artikel zurückgeben würden, könnte dies für einige Händler einen unüberschaubaren Rückgabe-Tsunami bedeuten.

Wie so oft hat solch eine Entwicklung allerdings zwei Seiten: die Tatsache, dass zwei Drittel der Einzelhändler ihre Retouren noch immer „von Hand“ bearbeiten, zeigt, dass die vorausschauenden Händler mit der richtigen Vorbereitung und durch die Nutzung entsprechender Technologien in der Lage sein werden, den Tsunami in eine Flut neuer Profite umzuwandeln.

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