Technik

Convenience vs. Fortschritt

30.05.2018
Autor: POINT MÜNCHEN

Die Digitalisierung und die damit verbundenen Technologien bringen ohne Frage neben vielen Vorteilen auch einige Nachteile mit sich. Was sich allerdings nicht von der Hand weisen lässt, ist die Bequemlichkeit, die mit den neuen Technologien in vielen Bereichen Einzug hält.

Unplugging oder Digital Detox sind zwar die neuesten Schreie, aber nur wenige wollen das dann in letztendlicher Konsequenz durchziehen. Technologie liefert das, was die Menschen am meisten wollen: Komfort.

Die Entwicklung des Verbrauchermarktes war in den letzten Jahrhunderten ein ununterbrochener Weg zu deutlich mehr Bequemlichkeit. Der Einzelhandel ist durch die Koppelung von Online/Offline-Angeboten immer näher an die Bedürfnisse des Kunden gerückt. Produkte sind einfacher zu verwenden und die damit verbundenen Erfahrungen stressfreier zu genießen. Fast alles, was schwierig ist, ist auf der Strecke geblieben und an allem, was übrig bleibt, wird konsequent gearbeitet.

Es gibt so gut wie keinen Nutzen, für den es sich lohnt, als Verbraucher größere Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen. Und wenn man als Unternehmen dieses Wertversprechen nicht einlösen kann, steht ganz schnell der nächste Wettbewerber parat, um den gleichen Nutzen bei mehr Komfort zu bieten. Bequemlichkeit ist der ultimative Trumpf.

Das bedeutet nicht, dass Preis oder Qualität unwichtig sind. Fest steht aber, dass die Verbraucher bereit sind, einen angemessenen Aufpreis für die Bequemlichkeit zu zahlen, aber nicht umgekehrt. Verbraucher werden keine Unannehmlichkeiten akzeptieren, nur um ein bisschen weniger zu bezahlen.

Eine Entwicklung über lange Zeit

Technologie ist der Motor der Bequemlichkeit. Die meisten modernen Technologien sind digital, aber seit der Industrialisierung sind die Verbrauchertechnologien – in der weitesten Definition – meist mechanische, elektronische oder chemische. Haushaltsgeräte zum Beispiel sind mechanisch. Verarbeitete Lebensmittel sind im Wesentlichen chemisch. Beide gehören zu den vielen technologischen Fortschritten, die es den Menschen in der Benutzung immer angenehmer gemacht haben.

Mehr Komfort verringert die Langeweile, spart Zeit, reduziert die körperliche Arbeit, vereinfacht die Komplexität, schafft Zugänglichkeit, verbessert die Erfahrung, bietet etwas Innovatives und Neues und eröffnet neue Möglichkeiten für Kreativität und Genuss. Kurz gesagt, größerer Komfort beseitigt Ineffizienzen und Ärgernisse. Anwenderfreundlichkeit liefert Zeit und Aufmerksamkeit für andere Dinge, die den Menschen wichtiger sind.

Die wachsende Antipathie gegen digitale Technologien ist in gewisser Weise durchaus ironisch zu sehen: Die Zeit, die zur Verfügung steht, um digitale Technologie zu kritisieren, ist tatsächlich Zeit, die von Technologie zur Verfügung gestellt wird. Vielleicht nicht immer durch digitale Technologie, trotzdem ist diese Diskussion Teil einer breiteren Stimmungsumkehr über den Nettonutzen von Technologie und ihren angemessenen Platz in der Gesellschaft und im Leben der Menschen.

Fluch oder Segen

Neue Technologien werden typischerweise mit einem anfänglichen Enthusiasmus begrüßt, der bald von einem Ausbruch von Unzufriedenheit und Befürchtungen gefolgt wird und die Technologien werden zeitnah als Risiko für die Gesellschaft gegeißelt. Doch das Monster läuft nie Amok. Der Grund dafür ist, dass die frühen Fehler und Probleme, die die Kritiker ins Feld führen, behoben werden, wenn die Menschen lernen, mit den neuen Technologien umzugehen. Es ist dieser notwendige und normale Prozess der Anpassung durch Try und Error, der von Kritikern irgendwie immer übersehen wird. Menschen sind bereit, durch diesen Prozess zu gehen, weil sie nicht auf die größere Annehmlichkeit verzichten wollen, die sie sich so hart erarbeitet haben.

Ein Großteil der Kritik an der Digitaltechnologie sollte sich eher darauf konzentrieren, wenn es um Dinge geht, die im Sinne der Benutzer angepasst und verbessert werden müssen, und nicht darum, neue Technologien gänzlich aufzugeben. Aber es gibt viele hypothetische digitale Weltuntergangsszenarien in den Schlagzeilen, die die Tagesordnung für Wirtschaft und Politik bestimmen. Der Moment, in dem AI die Menschheit versklavt, ist einer davon. Eine Generation, die in tiefe Abhängigkeit von Smartphones und sozialen Medien fällt, ist eine andere. Die Vergeudung von Talent und Ressourcen für triviale Apps, der Verlust von Gemeinschaft und Empathie und der Verlust von Lese- und Schreibfähigkeiten, der die Fähigkeit zu kontemplativem, rationalem Denken verringert, sind drei weitere.

Als das Telefon eingeführt wurde, hatte man große Bedenken, dass die Menschen von persönlicher Interaktion abgehalten werden, dass die Privatsphäre der Menschen verletzt wird, dass Frauen Gefahr laufen, unangemessenen Kontakt mit fremden Männern zu haben und dass sich dadurch soziale Klassen vermischen, etc. Ähnliche Kritikpunkte wurden gegen Fahrräder, Autos, Fernsehen und viele andere Technologien gerichtet, als sie zum ersten Mal auf der Bühne erschienen. Ersetzen Sie das Wort „digital“ für „Telefon“ (oder „Fahrräder“, „Autos“ oder „TV“) und es ist wieder die gleiche Grundsatzdebatte.

Was das Telefon trotz Kritik und Bedenken voranbrachte, war die Bequemlichkeit, die es in den Alltag brachte. Es wurde leichter, Menschen zu erreichen und informiert zu bleiben, den Alltag zu organisieren und Beziehungen zu pflegen, Hilfe zu geben und zu erhalten, Unterhaltung zu finden und Neues zu lernen. Was auch immer die Probleme waren, die Leute wollten die Bequemlichkeit, die das Telefon in ihr Leben brachte und genau dasselbe gilt heute für digitale Technologien.

Zeit des Lernens

Die digitale Lebensweise von heute ist relativ neu, denn diese Bewegung ist erst Mitte der 2000er Jahre entstanden. Das Fernsehen in den 1960er Jahren entspricht ungefähr dem Stand der Dinge im Umgang mit digitalen Technologien heute. Die Menschen müssen erst noch lernen, wie sie ein Gleichgewicht im Umgang mit den digitalen Herausforderungen finden und gut damit leben können.
Über die Vorteile, die digitale Technologien den Menschen bringen, wird allerdings zu wenig gesagt. Der Fokus liegt nur auf den Schattenseiten, und solch eine unausgewogene Sichtweise führt unweigerlich zu der Fehleinschätzung, dass die Verbraucher ohne Technologie besser dran sind.

Convenience ist das Kriterium für die Bewertung neuer Technologien. Welche Vorteile auch immer sie bieten, der größere Nutzen muss Teil des grundlegenden Wertversprechens sein. Es ist dieser Komfortgewinn, der sicherstellen wird, dass die damit verbundenen Herausforderungen behoben werden und dass die Technologien in Wege eingebettet werden, die zu besseren Lebensstilen führen.

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