Geben ist seliger denn Nehmen

Hier kommt der Newsflash: Die meisten PR-Agenturen und PR-Experten nehmen eine falsche Perspektive ein, wenn sie mit den Medien interagieren. Der typische PR-Profi denkt ganz im Sinne seiner Aufgabe: „Wie kann ich die Medien dazu bringen, meine Geschichte zu veröffentlichen?“

Das ist definitiv nicht der richtige Ansatz, um seine PR-Themen adäquat in den Medien platzieren zu können.

Den Blickwinkel ändern
Es gibt zwar keine Garantie für die Berichterstattung in den Medien, aber Sie erhöhen Ihre Chancen, dass ein Reporter oder Redakteur Ihre Geschichte teilt, wenn Sie wie ein Nachrichtenreporter oder -redakteur denken. Die einzige Frage, die Journalisten täglich umtreibt, wenn sie sich für eine Geschichte entscheiden, ist: „Warum sollte sich mein Publikum oder Leser dafür interessieren?“
Es ist erstaunlich, dass es wirklich nur sehr wenige, traditionell ausgebildete PR-Experten oder Marketing-Manager gibt, die automatisch so denken würden, obwohl es der beste Weg ist, den Mediencode für eine effektive PR-Berichterstattung zu knacken.
Die Realität ist, dass Reporter und Redakteure nicht täglich in froher Erwartung auf ihre Posteingänge starren und auf Pressemitteilungen warten, die eine neue Store-Eröffnung ankündigen oder einen Medien-Alert, der einen neuen CEO Ihrer Organisation ankündigt. Wenn überhaupt, suchen Journalisten meist nach einem Grund, Ihre Geschichte NICHT zu bringen. Sie werden einfach mit zu vielen Nachrichtenkontakten und -anfragen überflutet.

Seien Sie hilfsbereit, auch wenn es Ihnen nicht hilft.
Ein großer, wenn nicht sogar der überwiegende Teil der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit basiert auf Beziehungen. Der beste Weg, eine Beziehung aufzubauen ist, jemandem zu helfen, wann immer man kann, ohne etwas dafür zu verlangen. Und das nicht nur einmal, wenn man sich etwas vom Gegenüber erwartet, sondern kontinuierlich. Vom Ansatz her ist das zu vergleichen mit Bankgeschäften: man muss zuerst einmal Geld auf sein Konto einzahlen, bevor man etwas abheben kann. Medienbeziehungen funktionieren auf eine sehr ähnliche Weise.

1. Machen Sie Ihre Hausaufgaben.
Bei diesem Punkt geht es darum, die Art von Stories zu generieren, die in das Konzept des Journalisten passen. Versetzen Sie sich in die Zielgruppe des jeweiligen Mediums und finden Sie genau heraus, wie dieses spezielle Medium genau funktioniert, welches Profil es hat und wie Sie auf dieses Konto einzahlen können.
Der letzte Punkt ist entscheidend. Ein PR-Pitch bei der Süddeutschen Zeitung wird (und sollte) ganz anders sein, als eine Story-Idee, die Sie der Bunten vorschlagen würden.

Jede Publikation hat ein völlig anderes Publikum, eine andere unterschiedliche Mission und Sichtweise. Das Gleiche gilt, wenn Sie zum Beispiel die ARD oder SAT1 pitchen möchten. Jeder dieser Kanäle erfordert eine andere Herangehensweise. Die versierte PR-Person wird das wissen und Ihre Strategie entsprechend anpassen.

2. Erstellen Sie einen echten „News-Hook“
Der ambitionierte PR-Profi weiß, dass der einzige Weg zu einer relevanten Berichterstattung über die eigene Veranstaltung, ein Produkt oder das Unternehmen darin besteht, einen gut sitzenden „News-Hook“ zu finden, der für die jeweilige Zielgruppe des Mediums von Bedeutung und Relevanz ist. Wiederum müssen Sie die grundlegende Frage beantworten: „Warum sollte sich der Zuschauer/Leser dafür interessieren?“

Schon lange reicht es nicht mehr aus, mit der Kernaussage zu kommen, etwas sei neu oder besser, als bisher. Mit so einem Ansatz wird der Journalist Ihr Ansinnen gerne an die Werbeabteilung weiterleiten und Sie für eine Anzeige oder ein Advertorial zahlen lassen.

Nehmen wir als Beispiel, dass Sie damit beauftragt werden, für die neue Filiale einer Sandwich-Kette eine PR-Story zu generieren. Anstatt zu verkünden, das eben besagte Kette einen neuen Laden in der Stadt eröffnet, könnten Sie zum Beispiel Journalisten dazu einladen, wenn Sie eine Woche lang kostenlose Sandwiches an Obdachlose ausgeben. Zeigen Sie den Medien, wie es um dieses schwierige Thema in der Stadt bestellt ist. Inspirieren Sie dazu, etwas gegen das Problem zu unternehmen und thematisieren Sie nicht primär Ihre Shoperöffnung. Denn Sie haben jetzt elegant Ihr eigentliches Ansinnen in eine legitime Nachrichtenstory über ein journalistisch relevantes Thema gewandelt.

Auch wenn sich diese Tipps für Sie jetzt wahrscheinlich ganz einfach und selbstverständlich anhören, so ist es doch immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie wenig vermeintliche PR-Experten auf dieses einfache Tool-Set zurückgreifen.

 

Quelle: POINT MÜNCHEN